Die Schweizerische Nationalbank belässt den Leitzins unverändert bei 0% und signalisiert eine erhöhte Bereitschaft, bei Bedarf am Devisenmarkt einzugreifen, um eine schnelle und übermässige Aufwertung des Schweizer Frankens zu verhindern. Der Abschlag auf Sichtguthaben oberhalb einer bestimmten Schwelle bleibt unverändert bei 0,25 Prozentpunkten. Die SNB bewertet ihre Geldpolitik als angemessen, um die Inflation im Bereich der Preisstabilität zu halten und die Wirtschaft zu unterstützen.
Die Inflationsrate in der Schweiz ist binnen weniger Monate gestiegen, von 0,1% im Februar auf 0,6% im Mai. Hauptursache sind höhere Preise für Ölprodukte; andere Güter und Dienstleistungen trugen nur wenig zur Zunahme bei. Nach der bedingten Inflationsprognose dürfte die Teuerung in den kommenden Quartalen zunächst leicht weiter ansteigen und dann in der ersten Hälfte 2027 wieder zurückgehen, weil der Einfluss höherer Energiepreise mit der Zeit abnimmt.
Für das Jahr 2026 erwartet die SNB eine durchschnittliche Jahresinflation von 0,6%, für 2027 ebenfalls 0,6% und für 2028 0,7%. Die Prognose basiert auf der Annahme, dass der Leitzins der SNB über den gesamten Prognosehorizont bei 0% bleibt. Global habe das Wirtschaftswachstum im ersten Quartal noch solide ausgesehen, die Eskalation im Nahen Osten und gestiegene Energiepreise hätten die Dynamik jedoch gebremst. In der Eurozone seien die Leitzinsen angehoben worden, in den USA blieben sie unverändert. Für 2026 rechnet die SNB mit einem Wirtschaftswachstum von rund 1% in der Schweiz und für 2027 mit rund 1,5%.
Die SNB macht deutlich, dass die Lage weiterhin von hoher Unsicherheit geprägt bleibt, insbesondere durch die Entwicklung im Nahen Osten und die Entwicklung der Rohstoffpreise. Ein deutlich höheres Rohstoffpreisniveau würde die Inflation weiter erhöhen und das globale Wachstum merklich dämpfen. Binnenwirtschaftlich zeigte sich die Schweizer Wirtschaft im ersten Quartal robust, die Arbeitslosigkeit ist jedoch leicht gestiegen.
Für Edelmetalle ist der Zusammenhang zu Geldpolitik und Wechselkursen relevant. Niedrige Leitzinsen drücken nominale Renditen und können reale Renditen senken, was Gold gegenüber verzinslichen Anlagen relativ attraktiver macht. Zudem kann eine stärkere Frankschwäche durch Deviseneinsätze die in Frankenkosten ausgedrückte Nachfrage nach Gold verändern. Das bleibt künftig zu beobachten.